Gute Chancen im Land Brandenburg

  • 02.09.2013
  • Lotsendienst
  • von

Frau Ullmann, welche Chancen haben arbeitslose Gründerinnen und Gründer im Land Brandenburg?

Ullmann: Die Gründerinnen und Gründer, die durch Aufnahme einer selbstständigen, hauptberuflichen Tätigkeit ihre Arbeitslosigkeit beenden, und die einen Gründungszuschuss zur Sicherung des Lebensunterhalts und zur sozialen Sicherung in der Zeit nach der Existenzgründung erhalten, haben gute Chancen. Der Gründungszuschuss ist eine Ermessensleistung der aktiven Arbeitsförderung, auf die allerdings kein Rechtsanspruch besteht.

Mit der Antragstellung wird unter anderem geprüft, ob die Gründerin oder der Gründer ausreichende Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt, um langfristig am Markt zu bestehen. Dabei geht es vor allem auch um die erfolgsabhängigen Kriterien, die eine Gründung maßgeblich beeinflussen können. Dazu gehören unter anderem das fachliche Know-how, die kaufmännische und unternehmerische Eignung sowie die persönliche Eignung. Wichtig ist, dass der Gründer motiviert ist, intensive Akquise betreibt, Marketingstrategien für das Unternehmen entwickelt und den festen Willen hat, sein Unternehmen am Markt durchzusetzen.

Wo hakt es denn am ehesten?

Ullmann: Das kann man nicht verallgemeinern, weil jede Existenzgründung ganz individuell ist. Oft sind es die Dinge, die man in der Planung unterschätzt hat. Auch für ein Ein-Mann-Unternehmen braucht man ein vielfältiges Know-how, also zu Planung, Einkauf, Marketing, Fertigung, Logistik, Verkauf, Buchhaltung. Nehmen wir ein handwerkliches Beispiel: Eine überaus brillante handwerkliche Leistung allein muss noch zu keinem tollen Unternehmen führen, wenn die Buchhaltung nicht stimmt oder der Absatz des Produktes nicht läuft. Das sind oftmals die Dinge, mit denen man vorher in einem Angestelltenverhältnis vielleicht nicht viel zu tun hatte.

Welche Hilfen gibt es für Gründerinnen und Gründer aus der Arbeitslosigkeit?

Ullmann: Es gibt - wie schon gesagt - den Gründungszuschuss, für Gründerinnen und Gründer, die vormals Arbeitslosengeld I empfangen haben. Wer Arbeitslosengeld-II bekommt und sich selbständig machen will, kann als Förderung statt Gründungszuschuss das Einstiegsgeld beantragen.

Das Einstiegsgeld kann bei Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit als Zuschuss zum Arbeitslosengeld II für die Dauer von höchstens 24 Monate gezahlt werden. Die Höhe orientiert sich an der Dauer der Arbeitslosigkeit und der Größe der Bedarfsgemeinschaft der Gründerin oder des Gründers.

Darüber hinaus können selbständige Arbeitslosengeld-II-Empfänger finanzielle Hilfen bekommen, wenn zu erwarten ist, dass sie ihre Hilfebedürftigkeit dadurch dauerhaft überwinden oder reduzieren. Dies können z. B. Zuschüsse und Darlehen zur Beschaffung von Sachgütern sein oder Beratungsleistungen, z. B. durch Gründungsinitiativen, Unternehmensberater oder Steuerberater.

Den Gründungszuschuss beantragt man bei der Agentur für Arbeit, das Einstiegsgeld bei den zuständigen Jobcentern - bei beiden richtet sich die Zuständigkeit nach dem Wohnort des Gründers. Wenn die Gründerin oder der Gründer Zweifel an den eigenen Fähigkeiten hat, können wir professionelle Fachdienste für eine Beratung beauftragen. Diese Beratung ist kostenfrei. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, als Selbständiger freiwillig in die Arbeitslosenversicherung einzuzahlen. Mit dieser Risikominimierung ist man für eventuelle Arbeitslosigkeit gut abgesichert.

Wissen Sie, wie es den Gründerinnen und Gründern ergeht, die nicht den Gründungszuschuss bekommen und deren Gründungsvorhaben deswegen nicht so genau unter die Lupe genommen werden?

Ullmann: Die Arbeitsagenturen sind ja nicht die einzigen Institutionen, die Gründungsvorhaben konzeptionell prüfen. Das tun viele Akteure, seien es die so genannten "Fachkundigen Stellen" z.B. bei den Kammern, die die Gründungszuschuss-Anträge prüfen, die Banken, die Kreditanträge beurteilen usw. Unterm Strich können alle Akteure des Gründungsnetzes Brandenburg zu Fragen der Selbständigkeit behilflich sein. Eine Kernfrage bei der Existenzgründung ist jedoch immer die Frage der Finanzierung. Der Gründungszuschuss ist zur Sicherung des Lebensunterhaltes in der Startphase gedacht und zur sozialen Absicherung. Für die Anlaufphase einer Gründung ist das oft eine finanzielle Erleichterung.

Weitere Informationen: Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit

 

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